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B wie BIM: Warum digitales Bauen neue Kompetenzen braucht

Wie verändert Building Information Modeling (BIM) die Bauwirtschaft? Welche Kompetenzen benötigen Auszubildende und Fachkräfte? Und was sagen aktuelle Studien über Chancen, Herausforderungen und den Zusammenhang mit nachhaltigem Bauen?

Die Digitalisierung verändert die Bauwirtschaft grundlegend. Bauprojekte werden komplexer, Anforderungen an Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz steigen und gleichzeitig müssen Unternehmen qualifizierte Fachkräfte gewinnen und langfristig binden.

Eine zentrale Rolle spielt dabei Building Information Modeling (BIM). Die digitale Arbeitsmethode ermöglicht es, Bauwerksinformationen strukturiert zu erfassen, miteinander zu verknüpfen und über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks gemeinsam zu nutzen.

Doch wie weit ist BIM in der Praxis tatsächlich verbreitet? Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die berufliche Bildung?

BIM in Deutschland: Zwischen Potenzial und Realität

Eine Bitkom-Erhebung aus dem Jahr 2025 zeigt, dass lediglich 18 Prozent der befragten Unternehmen im Bau- und Ausbaugewerbe BIM-Software einsetzen. Weitere 13 Prozent planen deren Nutzung.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass die digitale Transformation in vielen Unternehmen noch am Anfang steht.

Dabei bietet BIM zahlreiche Möglichkeiten: Planungsprozesse können besser koordiniert, Informationen zwischen Gewerken ausgetauscht und potenzielle Konflikte frühzeitig erkannt werden.

Der erfolgreiche Einsatz hängt jedoch nicht allein von der technischen Ausstattung ab. Entscheidend sind die Kompetenzen der Menschen, die digitale Modelle erstellen, verstehen und im Arbeitsalltag nutzen.

Was bedeutet BIM für die Bauausbildung?

Die Anforderungen an berufliche Handlungskompetenz verändern sich. Neben handwerklichen Fertigkeiten gewinnen digitale Fähigkeiten, vernetztes Denken und gewerkeübergreifende Zusammenarbeit an Bedeutung.

Eine wissenschaftliche Veröffentlichung aus dem Jahr 2025 zur Integration von BIM in die baubezogene Hochschulbildung beschreibt mehrere Herausforderungen: fehlende einheitliche Lehrkonzepte, begrenzte praktische Anwendungsmöglichkeiten und einen erhöhten Qualifizierungsbedarf bei Lehrenden.

Auch wenn sich diese Ergebnisse nicht unmittelbar auf die duale Berufsausbildung übertragen lassen, liefern sie wichtige Anregungen.

Für die Bauausbildung bedeutet dies, digitale Kompetenzen nicht isoliert zu vermitteln, sondern mit realistischen Arbeitsprozessen zu verbinden.

Auszubildende sollten beispielsweise lernen, digitale Bauwerksmodelle zu interpretieren, relevante Informationen für ihren Arbeitsbereich zu entnehmen und die Auswirkungen von Planungsentscheidungen auf andere Gewerke zu verstehen.

Lernpsychologie: Warum digitale Modelle das Lernen unterstützen können

Digitale Technologien eröffnen neue Möglichkeiten für die Gestaltung beruflicher Lernprozesse.

Dreidimensionale Bauwerksmodelle können räumliche Zusammenhänge sichtbar machen und helfen, komplexe Arbeitsabläufe anschaulich darzustellen.

Aus lernpsychologischer Perspektive ist insbesondere die Verbindung von Visualisierung, aktiver Auseinandersetzung und praktischer Anwendung interessant.

Gleichzeitig zeigt die Forschung zur kognitiven Belastung, dass digitale Lernangebote sorgfältig gestaltet werden müssen. Zu viele gleichzeitig präsentierte Informationen können das Lernen erschweren.

Nicht die Menge digitaler Informationen entscheidet über den Lernerfolg, sondern ihre verständliche und lernförderliche Aufbereitung.

Für Ausbilderinnen, Ausbilder und Lehrkräfte entsteht daraus eine wichtige Aufgabe: Digitale Werkzeuge müssen didaktisch sinnvoll eingesetzt und an den jeweiligen Lernstand angepasst werden.

Nachhaltigkeit: BIM als Werkzeug für ressourcenschonendes Bauen

Die Bauwirtschaft steht vor der Herausforderung, Ressourcen effizienter einzusetzen und die Umweltwirkungen von Bauwerken über ihren gesamten Lebenszyklus zu berücksichtigen.

BIM kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

Eine systematische wissenschaftliche Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 untersuchte 115 Forschungsarbeiten zur Verbindung von BIM und Lebenszyklusanalysen.

Die Ergebnisse zeigen, dass digitale Bauwerksinformationen die Berechnung von Materialmengen und die Bewertung von Umweltauswirkungen unterstützen können.

Gleichzeitig bestehen weiterhin technische und organisatorische Herausforderungen, insbesondere bei der Datenqualität, der Interoperabilität verschiedener Softwarelösungen und der Automatisierung von Bewertungsverfahren.

Für die Bauausbildung ergibt sich daraus eine wichtige Erkenntnis:

Nachhaltigkeitskompetenz und digitale Kompetenz müssen zunehmend gemeinsam entwickelt werden.

Wer Bauwerke ressourcenschonend planen und errichten möchte, muss sowohl Materialien und Bauprozesse verstehen als auch digitale Informationen richtig einordnen können.

Fachkräftesicherung: Digitalisierung als gemeinsame Lernaufgabe

Digitale Transformation verändert auch die Zusammenarbeit zwischen Generationen.

Eine Bitkom-Untersuchung aus dem Jahr 2025 zeigt, dass 54 Prozent der befragten Ausbildungsbetriebe im Handwerk das digitale Wissen ihrer Auszubildenden für betriebliche Digitalisierungsprozesse nutzen.

Das verdeutlicht eine interessante Entwicklung: Wissenstransfer findet nicht ausschließlich von erfahrenen Fachkräften zu jungen Beschäftigten statt.

Auch Auszubildende können neue Perspektiven und digitale Erfahrungen in Unternehmen einbringen.

Für Führungskräfte bedeutet dies, Lernprozesse generationenübergreifend zu gestalten, Beteiligung zu ermöglichen und eine offene Fehler- und Feedbackkultur zu fördern.

Eine solche Lernkultur kann dazu beitragen, die Attraktivität von Ausbildungsbetrieben zu erhöhen und Beschäftigte bei der Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen zu unterstützen.

Vielfalt und Teilhabe: Digitalisierung für alle gestalten

Digitale Lernmethoden können unterschiedliche Lernvoraussetzungen berücksichtigen und zusätzliche Zugänge zu komplexen Ausbildungsinhalten schaffen.

Visualisierungen, interaktive Modelle und individuell gestaltete Lernaufgaben bieten Möglichkeiten, Lernende mit unterschiedlichen Vorkenntnissen zu unterstützen.

Damit diese Potenziale wirksam werden, müssen digitale Angebote jedoch zugänglich, verständlich und möglichst barrierearm gestaltet sein.

Teilhabe entsteht nicht automatisch durch Technologie. Sie erfordert geeignete Rahmenbedingungen, pädagogische Begleitung und die bewusste Berücksichtigung individueller Bedürfnisse.

Fazit: Digitales Bauen beginnt beim Menschen

BIM steht beispielhaft für einen grundlegenden Wandel in der Bauwirtschaft.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse und aktuellen Branchendaten zeigen, dass technische Innovation, Kompetenzentwicklung und organisatorische Veränderungen eng miteinander verbunden sind.

Für die berufliche Bildung bedeutet dies, handwerkliche Fähigkeiten mit digitalen, sozialen und nachhaltigkeitsbezogenen Kompetenzen zu verknüpfen.

Für Unternehmen und Führungskräfte geht es darum, Lernmöglichkeiten zu schaffen, Beschäftigte einzubeziehen und den Wissenstransfer zwischen den Generationen zu fördern.

Denn die Zukunft der Bauwirtschaft entscheidet sich nicht allein an der Frage, welche Technologien verfügbar sind, sondern daran, wie gut Menschen darauf vorbereitet werden, diese verantwortungsvoll einzusetzen.

BAUCampus MV – Impuls für die Praxis

Wie können Ausbildungsbetriebe digitale Bauwerksmodelle bereits heute in praktische Lernaufgaben integrieren? Und welche Kompetenzen benötigen Ausbilderinnen und Ausbilder, um diesen Wandel erfolgreich zu begleiten?

Diese Fragen verdienen einen festen Platz in der Weiterentwicklung moderner Bauausbildung.


Bauwissen A–Z ist eine Beitragsreihe des BAUCampus MV. Sie verbindet Fachbegriffe und wissenschaftliche Erkenntnisse mit aktuellen Herausforderungen der Bauwirtschaft, von Ausbildung und Führung über Digitalisierung und Nachhaltigkeit bis zu Fachkräftesicherung, Vielfalt und Teilhabe.

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